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Dienstag, 07. Februar 2012

Wer glaubt, lebt besser !?

27.05.2008 21:27 Alter: 4 Jahre
Von: www.kirchensite.de

Gesa Grandt (BDKJ Hamburg) diskutiert mit Weihbischof Franz-Josef Overbeck (Münster) und Philosoph Herbert Schnädelbach aus Hamburg beim Katholikentag in Osnabrück.


Osnabrück. Für die einen ist sie wesentlicher Bestandteil des Lebens; die anderen könnten ebenso gut auf sie verzichten: "Religion gehört zum Menschsein einfach dazu", sagt der münstersche Diözesan-Administrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck. "Religion würde ich nicht furchtbar vermissen", entgegnet der Philosoph Herbert Schnädelbach aus Hamburg und fügt hinzu: "Aber die Theologen würde ich vermissen."

"Religion – bringt's das?" - mit dieser Frage beschäftigten sich Overbeck, Schnädelbach und weitere Gäste am Samstag (24.05.2008) bei einer Talkrunde auf dem Osnabrücker Katholikentag. "Ich bin aus Überzeugung Christ", sagte Overbeck und ergänzte: "Und wer nicht Christ ist, möge sich bitte auf den Weg machen, das zu werden." Religiosität sei der Ausdruck dessen, dass ein Mensch sich vom Absoluten begreife. Ohne den Bezug zu Gott, zum Absoluten, sei kein Menschsein denkbar. Der Glaube sei Geschenk und keine Leistung, sagte Overbeck und wehrte sich gegen Nützlichkeitskriterien des Glaubens.

 "Zu etwas gut sein"

Schnädelbach – nach eigenem Bekunden "frommer Atheist" – vertrat die Auffassung, dass Religion dargestellt wirde, als sei sie "gut zu" etwas: zum Beispiel, um besser zu leben oder um glücklich zu sein. Mit dem Begriff des Glaubens sei es jedoch unvereinbar, zu sagen: "Ich glaube, um...." Er denke nicht, dass man jemandem mit Argumenten zum Glauben auffordern könne. Er habe von seinem Elternhaus her alle Voraussetzungen dafür mitbekommen, religiös zu werden. Er fühle jedoch nicht ein Defizit, weil er nicht glaube, sagte Schnädelbach. "Es könnte auch vernünftig sein, nicht zu glauben."

Dass Religiosität einen nützlichen Aspekt hat, veranschaulichte Christoph Kröger, Psychotherapeut aus Baunschweig. "Wer glaubt, lebt besser", sagte Kröger und verwies auf die Religiosität als eine Strategie, um Angst oder Niedergeschlagenheit zu bewältigen. "Die christliche Religiosität ist ein Schutzfaktor." Menschen, die religiös seien, erführen mehr soziale Unterstützung und gingen mit höherer Wahrscheinlichkeit anders mit Krisen um. "Sie haben eine bestimmte Einstellung zum Leben, die man ihnen nicht nehmen kann", sagte Kröger. Das könne man beispielsweise in der Psychotherapie nutzen.

Familie als Fundament

"Man kann nicht nicht glauben" – diese Auffassung vertrat der Theologiestudent Volker Stromann aus Steinfeld (Oldenburg). "Das Fundament eines jeden Glaubens ist die Familie." Dieses Fundament fehle mittlerweile viel zu vielen Jugendlichen, hat der angehende Religionslehrer erfahren. Es sei traurig, dass viele Kinder gerade mal das Kreuzzeichen in der richtigen Reihenfolge könnten. "Das religiöse Interesse hängt von der Prägung des Elternhauses ab", sagte Stromann. Um Kindern dennoch Begeisterung am Glauben zu vermitteln, bedürfe es authentischen Persönlichkeiten.

Gesa Grandt, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Hamburg, wies auf die identitätsstiftende Funktion katholischer Jugendverbände hin. Gerade in der Diaspora seien sie ein Ort, an dem Jugendliche sich gegenseitig stärken könnten. Durch die Gemeinschaft in der Altersgruppe könne man Raum schaffen für religiöse Erfahrungen. Sie habe außerdem von Menschen profitiert, die sie unterstützt hätten. "Menschen, die mir durch das Vorleben des Glaubens Perspektiven eröffnet haben."

Kritik an religiöser Bildung

Schnädelbach kritisierte, dass die Kirchen keine religiöse Bildung mehr vermittelten. Viele Menschen hätten keine Ahnung, was sie glaubten. "Sie lernen zu wenig über das Wesentliche des Christentums." Auch katholische Christen würden sich ihre Religiosität mittlerweile zusammensetzen, sagte Christoph Kröger. "Wir müssen aus dem Glauben heraus begeistern. Dann brauchen wir keine Theologie. Dann sind wir missionarisch und reißen Leute mit."

Text: Almud Schricke | auf: www.kirchensite.de